Gegen die 300er Regel

Der Sommer hätte durchaus sehr schön und erholsam sein können, doch allen Basketballfans in Deutschland stößt eine Entscheidung der Vereine im Verbund mit der BEKO BBL doch sehr sauer auf. Es handelt sich hierbei um eine Entscheidung hinsichtlich der Anzahl an Auswärtstickets, welche durch Vereine angeboten werden müssen. Bis einschließlich der letzten Saison mussten 10 Prozent der maximalen Tickets für Auswärtsfans zurückgehalten werden, wobei diese Zahl nun dramatisch gesenkt wurde. Die neue Regel der BEKO BBL besagt nämlich, dass lediglich 300 Tickets für Auswärtsfans zur Verfügung stehen müssen, und alles darüber hinausgehende ein Zugeständnis des jeweiligen Vereins sein wird.

Auf den ersten Blick sind 300 Tickets für die Fans des Auswärtsteams eine Menge, denn in der Regel wurden die bis dato angebotenen 10 Prozent der Gesamttickets doch nur in Ausnahmefällen genutzt. Doch ein Blick in das Detail verrät, dass es sich um eine sehr dramatische Kürzung handelt, welche gerade in den Derbys zu einer spürbaren Verlagerung der Stimmung führen wird und kann. Das Extrembeispiel ist sicherlich die Berliner O2 World, denn bisher mussten rund 1500 Tickets für Auswärtsfans bereitgehalten werden, so dass die 300er Begrenzung ein Minus von knapp 80 Prozent ausmacht. Doch auch die Hallen in München, Bamberg, Oldenburg oder Ulm werden auf diese Art und Weise in Sachen Auswärtstickets immer noch um die Hälfte gekürzt.

Doch wieso wurde dieser Schritt in der wachsenden BEKO BBL unternommen? Eine klare Aussage hierzu ist noch nicht auf den Tisch gekommen, doch haben sich sicherlich einige Teams darüber geärgert, dass an Spieltagen die Auswärtstickets frei blieben und die ansonsten sehr gut gefüllte Halle nicht ausverkauft war. Sicherlich gab es diesbezüglich das Ein oder Andere Versäumnis seitens der Fans, Fanclubs und Auswärtsteams nicht benötigte Auswärtstickets rechtzeitig zu melden, doch kann dies nicht als Rechtfertigung dienen.

Was können die Fans nun tun? Gerade in den Sozialen Netzwerken hat sich bereits breiter Widerstand formiert, welcher auch in einem offenen Brief von Fanclubs an die BEKO BBL den aufgekommenen Unmut zum Ausdruck gebracht hat. Doch das dies die getroffene Entscheidung rückgängig macht darf bezweifelt werden. Auch ein Aufruf zum Boykott oder Aussagen sich mit dem Fanartikel Verkauf zurückzuhalten sollte von Seiten der Fans unterlassen werden, denn es sollte der Versuch des Miteinander gesucht werden, um einen Ausweg zu finden.

So schwer wäre dies nämlich nicht. Es könnte durchaus die zuvor vorhandene 10 Prozent Regel beibehalten werden, jedoch mit einer kleinen Modifikation. Es könnte beispielsweise eine Deadline 3 bis 4 Wochen vor einem Spieltermin terminiert und festgesetzt werden, bis zu welchem Tickets für Auswärtsfans zurückgehalten werden muss, ehe diese für den freien Verkauf freigegeben werden. Somit könnte auch ein Versäumnis oder ein Fehler in der Organisation einer Auswärtsfahrt abgemildert werden, da diese nicht benötigten Tickets einfach in den freien Verkauf gehen. Dies ist sicherlich eine interessante Alternative und auch eine in der Praxis umsetzbare Variante.

Aktuell können wir Basketball Fans nur gespannt auf die Entwicklungen in diesem Bereich sehen und auf das Beste hoffen. Ansonsten bleibt lediglich bei Derbys die Chance Tickets im neutralen Zuschauerbereich zu kaufen, um in diesen dann entsprechend für Stimmung zu sorgen, wobei auf diesem Wege sicherlich so manches Scharmützel mit den Heimfans vorgezeichnet wäre.

Ein spannendes Thema, welchem sich auch die Initiative FansRespectFans angenommen hat. Machen wir uns daran, gemeinsam den richtigen Ausweg zu finden und im Konsens eine Lösung herbeizuführen, welche Fans den Vereinen und der Liga gleichermaßen dienlich sein kann. Für diese Sache gilt es wahrlich das eigene Ego zurückzustellen und über die eigenen Vereinsgrenzen hinweg zu sehen. Lasst es uns gemeinsam angehen und die 300er Regel aus dem Weg räumen!

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